Das war der eHealth Summit Austria 2017

By 07/07/2017Aktuelles

Alljährlich im Mai trifft sich die eHealth Community in Wien. Was vor elf Jahren mit der wissenschaftlichen „eHealth“ Konferenz begann, ist seit fünf Jahren mit der HiMMS Anwenderkonferenz zur eHealth Summit Austria zum erfolgreichen Austausch über neue Entwicklungen in Forschung und Industrie zusammengewachsen. Das diesjährige Thema: „Digital Insight – Information-driven Health & Care“.

 

Marktveränderungen … und eine Datenreise

Prof. Martin Gersch, Department Wirtschaftsinformatik der Freien Universität Berlin sprach in seiner Keynote über die mehr als notwendigen Anpassungen von Geschäftsmodellen und Zusammenführung von Daten aus Datensilos. Nur so könne der Mehrwert durch den Einsatz von IT auch Patienten erreichen. Wie, das zeigte anschaulich der Live-Act „Meet Anna“ von Cerner: Eine vollständig durch IT begleitete Patientenreise, beginnend von Aufnahme, Untersuchung, Stationsverlegung, bis hin zum Telemonitoring daheim und ELGA-Zugriff auf den Entlassungsbrief durch den betreuenden Hausarzt. Dies gehe nicht mehr ohne Interoperabilität, waren sich Vortragende als auch Teilnehmer einig. So umriss z.B. Michael Strübin, europäischer Programmdirektor der Personal Connected Health Alliance (PHCA), aktuelle IT Standards, die in den Continua Implementation Guides der PHCA zuverlässige vernetzte Systeme aus Produkten verschiedener Hersteller ermöglichen.

 

Ausstellervielfalt und HIMSS Europe Start-up Slam

Das schlägt sich bereits in der Vielfalt der ausstellenden Unternehmen nieder, von Clinical Desicion Support aus Österreich über ausgefeilte Krankenhaus-IT-Lösungen bis hin zu neuen innovativen Start-ups war alles vertreten. Diesmal konnte sogar ein österreichisches Unternehmen beim Start-up Slam punkten. Der dritte Platz ging an „Instahelp“, einer Plattform für psychologische Online-Beratung. Martin Pansy, MBA Gründer und & Managing Director sagt: „ Instahelp macht sich die Möglichkeiten der modernen IT zu Nutze, um ausgebildete Psychologen jederzeit und anonym verfügbar zu machen.“

 

Usability zählt doch

Eng mit der Einbindung von Patienten verknüpft, sorgte das Thema „Usability“ für ausreichend Gesprächsstoff. Dr. Christopher Frauenberger, Senior Wissenschaftler der Human-Computer Interaction Group an der TU Wien, zeigte wie Benutzer ausgeklügelte Unterstützungs-Systeme austricksen, um vor den zahlreichen, oft nervtötenden Erinnerungssignalen von Apps und Geräten Ruhe zu finden. Patientenanwältin Dr. Sigrid Pilz wartete mit einem bisher nicht wahrgenommenen Phänomen auf, das ihrer Meinung nach auf Seiten der Hersteller gelöst werden sollte: Immer öfter würden Firmen und Forscher bei ihr anrufen, auf der Suche nach Patientinnen und Patienten für Befragungen und Usabilitytests, und das, ohne Gegenleistung für die potentiellen Teilnehmer anzubieten.

 

Heißes Thema Datenschutz-Grundverordnung

In Fachvorträgen, aber auch in der Podiumsdiskussion entkam niemand dem Thema Datenschutz-Grundverordnung. Neuerungen wie die „Datenschutzrisiko-Folgenabschätzung“, bei der Datenschutzverantwortliche selbstständig Maßnahmen treffen und alles dokumentieren müssen, wurden ebenso anschaulich dargestellt wie „Privacy by Design“ , wo nun schon lange vor der ersten Programmierzeile Datenschutz mitgedacht werden muss. Das neue Recht der Konsumenten auf Datenportabilität würde erfreulicherweise dem Thema Interoperabilität in die Hände spielen, so einige Stimmen in Pausengesprächen. In Sachen Forschung seien Ausnahmeregelungen geschaffen worden, doch Prof. Ernst Singer, ehem. Vorsitzender der Ethikkommission der Medizinische Universität Wien, meinte, wie so manch andere Vortragende, das Ziel europaweite Harmonisierung, sei durch die sogenannten „Öffnungsklauseln“, also nationale Möglichkeiten, die Gesetze zu erweitern, nicht wirklich erreicht worden. „Ich hätte mir gewünscht, dass die Nationen zumindest nicht strenger sein dürfen als das EU-Gesetz“. Gemeinsames Fazit vieler Teilnehmer: „Da kommt viel Arbeit auf uns zu und wir müssen umdenken.“

 

„Making Sense of Big Data“

Niki Popper, Direktor von DEXHELPP, zeigte wie man auf der Grundlage der vorhandenen Gesundheitsdaten IT Modelle entwickeln kann, die als Entscheidungsunterstützung für Gesundheitspolitik und -planung dienen könnte. Er sagt: „Ich denke, dass wir sehr viel mit schlauen Modellen aus den stark wachsenden und vernetzten Daten machen können. Andererseits müssen wir aufpassen, dass wir nicht zu technikgläubig werden, und unsere Fragen, Modelle und Schlüsse, die wir daraus ziehen immer wieder kritisch hinterfragen“.
Martin Pansy von Instahelp ist erfreut: „Der Summit hat gezeigt wie wichtig es ist, Veränderungen in langjährig etablierten Systemen voranzutreiben. Dabei sollten nicht Menschen durch die IT ersetzt, sondern vielmehr die Kommunikation vereinfacht werden“.
Stefan Sauermann, Program Director, Biomedical Engineering Sciences der Fachhochschule Technikum Wien, zieht ein positives Fazit: „Es ist dieses Jahr sehr eindrücklich klar geworden, welchen Beitrag standardbasierte, interoperable IT Infrastrukturen bereits ihre Nutzen im Gesundheitswesen zeigen können. Mit ELGA und zukünftig Telemonitoring liegen wir in Österreich im internationalen Vergleich weit vorne“.

Eine weitere Zusammenfassung des eHealthsummit Austria gibt es auf dem HiMMS eigenen Blog 42news:

http://www.42news.de/ehealth-summit-austria-2017-mit-neuem-besucherrekord